Kfz-Versicherung in Deutschland: Arten, Kosten und Wechsel bis 30. November
11. Oktober 2026
Die Kfz-Versicherung in Deutschland besteht aus einem Pflichtteil und zwei freiwilligen Bausteinen. Pflicht ist die Kfz-Haftpflichtversicherung: Ohne sie lässt sich ein Auto gar nicht zulassen. Teilkasko und Vollkasko schließen Sie nach Bedarf ab. Im Folgenden erklären wir, was die einzelnen Varianten abdecken, wie sich der Beitrag zusammensetzt, ob schadenfreie Jahre aus dem Ausland angerechnet werden und wie Sie bis zum 30. November den Versicherer wechseln.
Kurz gesagt
- Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht. Das schreibt § 1 des Pflichtversicherungsgesetzes (PflVG) vor. Sie zahlt für Schäden, die Sie anderen zufügen.
- Die Kasko ist freiwillig. Sie schützt Ihr eigenes Fahrzeug.
- Der Beitrag wird individuell berechnet. Er hängt von Ihren schadenfreien Jahren, dem Fahrzeugmodell, der Region, der Fahrleistung und einigen weiteren Merkmalen ab.
- Wechseln können Sie bei den meisten Verträgen einmal im Jahr: Die Kündigung muss bis zum 30.11. beim Versicherer eingehen.
Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko: Was jeweils versichert ist
Die Kfz-Haftpflicht zahlt für Schäden, die Sie mit Ihrem Fahrzeug anderen zufügen: verletzte Personen, beschädigte fremde Autos und sonstiges Eigentum. Das Gesetz schreibt Mindestversicherungssummen je Schadenfall vor (Anlage zum PflVG): 7,5 Mio. Euro für Personenschäden, 1,3 Mio. Euro für Sachschäden und 50.000 Euro für reine Vermögensschäden. In der Praxis werden viele Verträge mit 50 oder 100 Mio. Euro Deckungssumme abgeschlossen, und die Verbraucherzentrale rät, beim Tarifwechsel darauf zu achten. Reparaturen am eigenen Auto übernimmt die Haftpflicht nicht.
Die Teilkasko deckt Schäden am eigenen Auto durch Ereignisse, auf die Sie kaum Einfluss haben: Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle, Sturm, Hagel, Brand.
Die Vollkasko umfasst alle Leistungen der Teilkasko und zahlt zusätzlich für selbst verschuldete Unfallschäden am eigenen Auto sowie für Vandalismus.
| Was ist versichert? | Haftpflicht | Teilkasko | Vollkasko |
|---|---|---|---|
| Schäden an anderen Personen und deren Eigentum | ja | ja* | ja* |
| Diebstahl, Glasbruch, Wildunfall, Sturm, Hagel, Brand | nein | ja | ja |
| Eigenes Auto nach selbst verschuldetem Unfall | nein | nein | ja |
| Vandalismus | nein | nein | ja |
| Gesetzlich vorgeschrieben | ja | nein | nein |
* Eine Kasko wird immer zusammen mit der Haftpflicht abgeschlossen. Welche Risiken genau versichert sind, regeln die Bedingungen des jeweiligen Tarifs (AKB).

Für ein neues oder teures Auto und für finanzierte oder geleaste Fahrzeuge wählen die meisten die Vollkasko. Bei einem älteren, günstigen Wagen reicht oft die Haftpflicht allein oder Haftpflicht plus Teilkasko. Entscheidend sind der Wert des Fahrzeugs und die Frage, ob Sie eine größere Reparatur selbst bezahlen könnten.
Was kostet die Kfz-Versicherung in Deutschland und wovon hängt der Beitrag ab?
Eine Pauschalzahl gibt es nicht. Zwei Nachbarn mit demselben Auto können sehr unterschiedliche Beiträge zahlen, weil der Versicherer eine ganze Reihe von Merkmalen einrechnet. Die wichtigsten:
- SF-Klasse (Schadenfreiheitsklasse). Je mehr Jahre Sie ohne selbst verschuldeten Schaden fahren, desto höher die Klasse und desto niedriger der Beitrag. Nach einem Unfall werden Sie zurückgestuft, und die Versicherung wird teurer.
- Typklasse. Der GDV, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, wertet jedes Jahr die Schadenstatistik für jedes Fahrzeugmodell aus. Je niedriger die Typklasse, desto günstiger die Versicherung.
- Regionalklasse. Auch sie ermittelt der GDV, und zwar für jeden Zulassungsbezirk. Berücksichtigt werden Unfälle, Diebstähle, Hagel und Wildunfälle. In der Haftpflicht gibt es 12 Klassen, in der Teilkasko 16, in der Vollkasko 9 (GDV). Die Klasse Ihrer Region finden Sie über die offizielle Abfrage nach Postleitzahl.
- Jährliche Fahrleistung. Wer mehr fährt, hat ein höheres Risiko und zahlt mehr.
- Fahrerkreis. Fahren nur Sie oder Sie und Ihr Partner, ist das günstiger als ein beliebiger Fahrerkreis.
- Alter der Fahrer. Junge Fahrer zahlen meist deutlich mehr.
- Abstellort. Eine Garage oder ein eigener Stellplatz senkt den Beitrag oft.
- Selbstbeteiligung. Je höher sie ist, desto günstiger die Kasko.
Die Typ- und Regionalklassen des GDV sind für die Versicherer unverbindlich; jeder Versicherer entscheidet selbst, wie er sie berücksichtigt. Deshalb gibt es auf die Frage „Wo ist die günstigste Kfz-Versicherung?“ keine ehrliche Pauschalantwort. Am günstigsten ist der Tarif, der am besten zu Ihrer Kombination von Merkmalen passt, und den findet man nur über einen Vergleich der Angebote verschiedener Versicherer. Diesen Vergleich übernehmen wir für unsere Kunden in einem professionellen Vergleichsprogramm für Makler.
Schadenfreie Jahre aus dem Ausland
Für alle, die mit Fahrpraxis aus dem Ausland nach Deutschland kommen (z. B. aus Polen, der Türkei, den USA oder anderen Ländern), ist das die wichtigste Frage. Beim ersten deutschen Vertrag werden Sie meist in eine Einstiegsklasse eingestuft, und der Beitrag fällt entsprechend hoch aus. Einige Versicherer rechnen schadenfreie Jahre aus dem Ausland an, wenn Sie eine Bescheinigung Ihres bisherigen Versicherers vorlegen. Das machen nicht alle, und die Regeln unterscheiden sich von Versicherer zu Versicherer.
Das sollten Sie vorab bereitlegen:
- eine Bescheinigung des bisherigen Versicherers über die Versicherungsdauer und darüber, dass Sie in dieser Zeit keine Schäden verursacht haben;
- wenn möglich eine Übersetzung der Bescheinigung ins Deutsche oder Englische;
- Führerschein und Fahrzeugpapiere.
Nicht jeder Versicherer akzeptiert eine solche Bescheinigung, und das ist normal. Schicken Sie uns Ihre Bescheinigung über die schadenfreien Jahre, und wir prüfen, welcher Versicherer Ihre schadenfreien Jahre anrechnet.
Das erste Auto: eVB-Nummer und Zulassung
Für die Zulassung brauchen Sie eine eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung, ein siebenstelliger Code). Sie erhalten sie vom Versicherer, sobald Sie sich für einen Haftpflichttarif entschieden haben. Mit diesem Code gehen Sie zur Zulassungsstelle, und ab der Zulassung besteht Versicherungsschutz.
Kaufen Sie ein Auto, das bereits zugelassen ist, geht der Vertrag des Vorbesitzers auf Sie über. Sie können ihn innerhalb eines Monats nach dem Kauf kündigen und eine eigene Versicherung abschließen (Verbraucherzentrale).
So wechseln Sie die Kfz-Versicherung
Regulärer Wechsel einmal im Jahr. Der Vertrag lässt sich mit einer Frist von einem Monat zum Ende des Versicherungsjahres kündigen. Bei den meisten Verträgen entspricht das Versicherungsjahr dem Kalenderjahr. Deshalb muss die Kündigung spätestens am 30. November beim Versicherer eingehen: Maßgeblich ist das Eingangsdatum, das Absendedatum zählt nicht (Verbraucherzentrale). Manche Versicherer rechnen das Versicherungsjahr ab dem Zulassungsdatum. Dann gilt eine andere Frist, die Sie in Ihrem Versicherungsschein finden.
Beitragserhöhung. Erhöht der Versicherer den Beitrag, ohne dass sich der Umfang des Versicherungsschutzes ändert, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht: einen Monat ab Zugang der Mitteilung über die Erhöhung (§ 40 VVG). Das gilt auch, wenn der 30. November schon vorbei ist.
Autokauf. Beim Kauf eines bereits zugelassenen Autos können Sie den Vertrag des Vorbesitzers innerhalb eines Monats kündigen (siehe oben).
Die Reihenfolge ist einfach: Lassen Sie sich zuerst den neuen Vertrag bestätigen, kündigen Sie dann den alten und bitten Sie um eine Eingangsbestätigung.

Einen ersten Preis für den neuen Vertrag vor dem 30.11. sehen Sie in unserem Kfz-Versicherungsrechner.
Häufige Fehler, gerade nach dem Umzug nach Deutschland
- Nur auf den Preis schauen. Ein niedriger Beitrag bedeutet oft eine hohe Selbstbeteiligung oder einen dünnen Versicherungsschutz.
- Nicht nach den schadenfreien Jahren aus dem Ausland fragen. Die Bescheinigung des bisherigen Versicherers bekommt man vor dem Umzug leichter als danach.
- „Beliebiger Fahrerkreis“ angeben, obwohl nur eine Person fährt, oder umgekehrt einen zweiten Fahrer nicht eintragen, der tatsächlich fährt. Im zweiten Fall drohen nach einem Unfall Nachzahlungen.
- Die Fahrleistung zu niedrig angeben. Liegt die tatsächliche Fahrleistung höher, kann der Versicherer den Beitrag neu berechnen.
- Den 30. November verpassen und das Sonderkündigungsrecht bei einer Beitragserhöhung nicht kennen.
- Nach einem Unfall trotz Rabattschutz den Versicherer wechseln. Der Rabattschutz gilt nur beim bisherigen Versicherer, und der neue kann Sie in eine niedrigere SF-Klasse einstufen (Verbraucherzentrale).
Häufige Fragen
Ist eine Kfz-Versicherung in Deutschland Pflicht?
Ja, die Kfz-Haftpflichtversicherung ist Pflicht. Sie deckt Schäden, die Sie anderen Verkehrsteilnehmern zufügen. Ohne sie wird das Auto nicht zugelassen, und Sie dürfen damit nicht fahren. Teilkasko und Vollkasko sind freiwillig.
Was kostet die Kfz-Versicherung für Fahranfänger?
Einen genauen Betrag kann man erst nach einer Berechnung nennen. Wer keine nachgewiesenen schadenfreien Jahre hat, ob Fahranfänger oder neu in Deutschland, startet in einer niedrigen SF-Klasse und zahlt deshalb deutlich mehr als ein erfahrener Fahrer. Günstiger wird es mit einem Modell in niedriger Typklasse, einem kleinen Fahrerkreis, einer Garage und einer höheren Selbstbeteiligung.
Werden meine schadenfreien Jahre aus dem Ausland angerechnet?
Das hängt vom Versicherer ab: Einige rechnen ausländische schadenfreie Jahre anhand einer Bescheinigung des bisherigen Versicherers an, andere tun das nicht. Lassen Sie sich von Ihrem bisherigen Versicherer die schadenfreie Zeit bescheinigen und schicken Sie uns die Bescheinigung. Wir prüfen, welcher Versicherer Ihre schadenfreien Jahre anrechnet, und suchen einen passenden Tarif.
Wann und wie wechsle ich die Kfz-Versicherung?
Bei den meisten Verträgen muss die Kündigung bis zum 30. November beim Versicherer eingehen, der Vertrag endet dann am 31. Dezember. Bei einer Beitragserhöhung haben Sie ab Zugang des Schreibens einen Monat Zeit für die Kündigung. Schließen Sie zuerst den neuen Vertrag ab und kündigen Sie danach den alten.
Was ist der Unterschied zwischen Teilkasko und Vollkasko?
Die Teilkasko deckt Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle und Naturgefahren wie Sturm und Hagel. Die Vollkasko zahlt zusätzlich für Reparaturen am eigenen Auto nach einem selbst verschuldeten Unfall und für Vandalismus. Deshalb ist sie teurer.
Nächster Schritt
Vergleichen Sie Tarife selbst im Kfz-Versicherungsrechner oder vereinbaren Sie ein kostenloses Gespräch: Wir prüfen, ob Ihre schadenfreien Jahre aus dem Ausland anerkannt werden.
Wir berechnen Ihre Kfz-Versicherung in Deutschland mit einem professionellen Vergleichsprogramm für Makler, passend zu Ihrem Fahrzeug, Ihren schadenfreien Jahren und Ihrer Situation. Boiko Wealth Management (BoikoWM) ist unabhängiger Versicherungsmakler: Wir vergleichen Angebote verschiedener Versicherer, prüfen, wer Ihre schadenfreien Jahre aus dem Ausland anrechnet, und wählen einen passenden Tarif aus. Wenn Sie bis zum 30. November wechseln möchten, fangen Sie am besten im Oktober an.
Mehr dazu, wie wir arbeiten, finden Sie unter Leistungen.